KI boomt. Digitalisierung stagniert. Beides gleichzeitig.
Zur Methodik: Für diesen Artikel habe ich dieselbe Forschungsfrage parallel an fünf KI-Systeme gestellt: Claude, Gemini, ChatGPT, Perplexity und DeepSeek. Jedes System hat unabhängig Quellen recherchiert und Daten zusammengetragen. Die Einordnung, Analyse und Bewertung ist meine eigene Arbeit. KI ist ein Recherche-Werkzeug. Die Perspektive kommt vom Menschen. Besonders bei diesem Thema – denn eines der fünf Systeme hat mir eine Studie als Beleg präsentiert, die es nicht gibt.
Michael und Marc machen gerade eine Umfrage. Wir wollen wissen, wo der deutsche Mittelstand bei der digitalen Transformation wirklich steht.
Eine Bitte vorab: Diese Umfrage richtet sich an Entscheider. Geschäftsführer, Inhaber, Gründer, Vorstände – Menschen, die in ihrem Unternehmen über Strategie und Investitionen entscheiden. Wenn das nicht du bist, leite sie gerne weiter an jemanden, auf den das zutrifft. Wir wollen keine Stimmungsbilder von allen, sondern Klartext von denen, die die Entscheidungen tatsächlich treffen.
Strategie, Ziele, Systeme, Menschen. Fünf Minuten, anonym. Wer seine Kontaktdaten hinterlässt, bekommt die Ergebnisse am 10. Juli exklusiv.
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Wir haben Thesen. Die schreiben wir hier auf, mit allem, was die Recherche dazu sagt – und mit allem, wo sie sich selbst widerspricht.
Das Paradox
Bitkom hat im September 2025 über 600 Unternehmen befragt. Ergebnis: 36 Prozent nutzen aktiv KI. Fast doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Im März 2026 waren es bereits 41 Prozent.
Zur gleichen Zeit veröffentlicht KfW Research den Digitalisierungsbericht Mittelstand 2025. Ergebnis: Nur 30 Prozent der mittelständischen Unternehmen haben zuletzt überhaupt Digitalisierungsprojekte durchgeführt. Das ist ein Rückfall auf das Niveau vor Corona. Die Gesamtinvestitionen sanken auf 23,8 Milliarden Euro – inflationsbereinigt ein massiver Einbruch.
KI boomt. Digitalisierung stagniert. Beides gleichzeitig, im selben Land, in denselben Unternehmen.
Das klingt widersprüchlich. Ist es aber nicht, wenn man genauer hinschaut: Wer ChatGPT für Zusammenfassungen nutzt und das Transformation nennt, hat ein Abonnement abgeschlossen, keine Veränderung eingeleitet. Transformation fängt dort an, wo sich Prozesse, Entscheidungslogiken und Rollenbilder verändern.
Genau an diesem Bruch setzt ein Förderprogramm an, das ich im Laufe dieses Newsletters mehrfach erwähnen werde, weil es zur Beteiligung verpflichtet statt sie nur zu empfehlen: INQA-Coaching. Mehr dazu, wenn wir bei Change Management sind.
These 1: Digitalisierung wird als Kosten verbucht, nicht als Investition – und das ist messbar falsch
KfW Research und ZEW Mannheim haben im April 2026 eine gemeinsame Produktivitätsstudie veröffentlicht. Kernbefund: Je zehn Prozent mehr Digitalkapital steigt die Produktivität im Schnitt um 0,159 Prozent. Bei den am stärksten digitalisierten Unternehmen – also denen, die kontinuierlich investieren statt punktuell – ist dieser Effekt zwanzigfach stärker: 0,808 Prozent.
Das ist eine unbequeme Zahl für jeden, der Digitalisierung als Kostenposition im Budget führt. Sie zeigt: Digitalisierung ist kein einmaliges Effizienzprojekt, das man abschließt und abhakt. Sie ist ein sich selbst verstärkender Prozess. Wer aufhört zu investieren, fällt nicht auf dem Stand zurück, auf dem er aufgehört hat. Er fällt zurück.
Grant Thornton hat in einer aktuellen B2B-Studie gefragt, wie der Mittelstand selbst über seine digitalen Prioritäten denkt. Ergebnis: 72 Prozent der Unternehmen haben keine zentrale Digitalstrategie. 61 Prozent experimentieren in isolierten Bereichen, ohne übergreifenden Plan. Das Resultat sind Datensilos statt Wertschöpfung – jedes Team optimiert sein eigenes kleines Problem, niemand das große.
Alle fünf KI-Systeme, die ich befragt habe, kommen unabhängig zu einem ähnlichen Befund: Initiativen versanden besonders dort, wo Digitalisierung nicht von der Führungsebene mitgetragen wird. Das ist keine Aussage darüber, dass Führungskräfte versagen – im Gegenteil, sie zeigt, dass Beteiligung auf jeder Ebene eine notwendige Bedingung ist, von der Geschäftsführung bis zum Team. Genau das ist auch der Kern der nächsten These.
These 2: Betroffene werden informiert, aber nicht beteiligt – und das ist der Hauptgrund fürs Scheitern
McKinsey hat in einer groß angelegten Befragung die Erfolgsquote von Transformationsprojekten gemessen. Unter 30 Prozent gelingen. Bei rein digitalen Transformationen sind es 16 Prozent. Diese Zahl wird seit Jahren zitiert und ändert sich nicht.
Der Grund ist selten technischer Natur. Es ist organisatorischer Natur: Wo Mitarbeitende nicht verstehen, warum sich etwas verändert, arbeiten sie gegen das System, das für sie eingeführt wurde. Nicht aus bösem Willen, sondern aus Selbstschutz.
Hier wird INQA-Coaching konkret. Das Programm – finanziert aus ESF Plus und Bundesmitteln, gedacht für KMU mit unter 250 Mitarbeitenden – fördert bis zu zwölf Beratungstage mit 80 Prozent der Kosten. Das ist keine Förderung, die man nebenbei mitnimmt. Das ist ein Programm, bei dem die Einbindung der Belegschaft Fördervoraussetzung ist, nicht Kür. Wer es beantragt, verpflichtet sich methodisch dazu, gemeinsam mit Coach und Team Lösungen zu entwickeln – nicht für sie zu entscheiden und sie anschließend zu informieren.
Ich kenne kaum ein Unternehmen in meinem Netzwerk, das dieses Programm aktiv nutzt. Eines der am besten konzipierten und am wenigsten bekannten Förderangebote, das mir begegnet ist.
An dieser Stelle ein Wort zur Recherche selbst, weil es genau hierhin gehört: DeepSeek, eines der fünf Systeme, schrieb mir, das RKW Kompetenzzentrum belege partizipative Ansätze mit einer Akzeptanzsteigerung von „über 60 Prozent“. Ich habe diese Studie nicht gefunden. Sie existiert in keiner Primärquelle, die ich erreichen konnte. Das ist kein Einzelfall, sondern ein bekanntes Muster: Sprachmodelle erzeugen plausibel klingende Zahlen, wenn belastbare Daten fehlen – und bei weichen Themen wie Akzeptanz und Beteiligungskultur passiert das besonders oft, weil echte Studien dazu selten auf eine einzige saubere Prozentzahl reduzierbar sind.
Die Botschaft hinter der erfundenen Zahl ist trotzdem richtig. Beteiligung funktioniert. Nicht weil eine Studie 60 Prozent sagt, sondern weil das Gegenteil – Einführung ohne Einbindung – nachweislich und wiederholt scheitert.
These 3: Mitarbeitende werden noch als Kostenfaktor gedacht – KI dreht das gerade um
Brynjolfsson, Li und Raymond haben 2025 im Quarterly Journal of Economics eine Feldstudie veröffentlicht, die ich für eine der wichtigsten empirischen Arbeiten zum Thema KI und Arbeit halte.
5.172 Kundenservice-Agenten bekamen Zugang zu einem KI-Assistenten. Durchschnittliche Produktivitätssteigerung: 15 Prozent. Bei den erfahrensten, besten Mitarbeitenden: kaum messbar. Bei den unerfahrensten: plus 34 Prozent.
KI verteilt das implizite Wissen der Besten auf alle anderen. Automatisch, durch den Einsatz des Tools, ohne zusätzliches Training. Das dreht die übliche Annahme um: Wer dachte, KI würde zuerst einfache Tätigkeiten ersetzen und komplexe Rollen schützen, sieht hier das Gegenteil. Sie macht gerade die Menschen produktiver, die am wenigsten Erfahrung haben.
Der WEF Future of Jobs Report 2025 ergänzt das mit einer Zahl, die ich für unterschätzt halte: 63 Prozent der Arbeitgeber weltweit nennen Skill-Lücken als größte Barriere ihrer Transformation. Nicht Kapital. Nicht Regulierung. Nicht Technologie. Kompetenzen.
Auch hier lohnt der Blick auf INQA: Das Programm ist nicht auf klassische Digitalisierung beschränkt, sondern ausdrücklich auch für die Einführung von KI-Systemen nutzbar. Wer also gerade über Kompetenzaufbau im Team nachdenkt, nicht nur über neue Software, findet hier einen Hebel, der beides gleichzeitig adressiert.
Was das für Förderung bedeutet
Ein praktischer Punkt zum Schluss, bevor wir zu den Fragen kommen.
Wenn ich Unternehmer frage, welche Förderprogramme sie für Digitalisierung kennen, kommen fast immer zwei Namen: Digital Jetzt und go-digital. Beide gibt es nicht mehr. Digital Jetzt lief Ende 2023 aus, das Förderportal wurde im März 2026 abgeschaltet. go-digital endete Ende 2024. Wer mit diesen Programmen plant, plant mit etwas, das nicht mehr existiert.
Was stattdessen läuft: Die BAFA-Beratungsförderung – bis zu 1.750 Euro Zuschuss, maximal fünf Beratungen pro Unternehmen, befristet bis Ende 2026. Und das bereits erwähnte INQA-Coaching: 80 Prozent Förderung für bis zu zwölf Beratungstage, gedacht für genau die Beteiligungs- und Kompetenzfragen, die in den drei Thesen oben stehen.
Beide Programme – BAFA und INQA – sind Bereiche, in denen wir als Passioneers zertifiziert sind und die wir anbieten. Wer Interesse hat, kann sich gerne bei uns melden.
Zwei Fragen zum Schluss
Wenn du gerade Digitalisierungsprojekte planst oder führst: Verbuchst du sie als Kosten, die möglichst klein gehalten werden sollen – oder als Investition, die kontinuierlich wachsen muss, um zu wirken?
Und wenn du an deine Belegschaft denkst: Werden deine Leute informiert, wenn sich etwas ändert – oder bevor sich etwas ändert?
Wir wollen wissen, was bei euch gerade wirklich los ist. Fünf Minuten, anonym, Ergebnisse am 10. Juli. Für Entscheider gedacht – wenn das du bist:
👉 https://app.qucoxx.com/de/surveys/passioneers/fragebogen-zur-bewertung-der-digitalen-transformation
Transformation mit Menschen, nicht über sie hinweg.
Marc